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KnowledgeBase Das Reifen ABC

Von BT012SS, 2 Dez. 2015 | Updated: 16 Apr. 2016 | |
  1. BT012SS
    reifen1.

    Alter

    Reifen altern aufgrund physikalischer und chemischer Prozesse, sie verlieren mit der Zeit ein wenig an Haftung und Elastizität. Spezielle Substanzen, die bei der Reifenfertigung eingesetzt werden, verlangsamen diesen Vorgang. Eine sachgerechte Lagerung kann den Alterungsprozess ebenfalls herauszögern. Ein Motorrad aber, dass jahrelang abgemeldet war, sollte im Interesse der Fahrsicherheit neu bereift werden. Aufschluss über das Reifenalter gibt die DOT-Nummer auf der Reifenflanke.

    Auswuchten
    Das Auswuchten eines Reifens ist die Voraussetzung für Fahrkomfort und die Vermeidung von Vibrationen, die das Fahrverhalten beeinträchtigen. Letztere werden durch eine ungleiche Massenverteilung hervorgerufen, Gegengewichte an der Felge gleichen Unwuchten aus, die bei der Drehbewegung des Reifens entstehen.

    Diagonalreifen
    Der Klassiker: Benannt nach den in der Richtung wechselnden Karkasslagen mit diagonal ausgerichtetem Fadenwinkel. Bis Mitte der 80er-Jahre bestimmten Diagonalkonstruktionen den Motorradreifenmarkt: Bei leistungsstarken Motorrädern sind inzwischen Radialreifen erste Wahl. Diagonalreifen erkennt man am Bindestrich in der Reifengrößenkennzeichnung: z.B. 130/80-18.

    Diagonalgürtelreifen
    Zusätzliche Gürtellagen über der Karkasse unterscheiden den Diagonalgürtelreifen vom Diagonalreifen. Die Gürtelkonstruktion hat das Ziel, die Ausdehnung des Reifens unter dem Einfluss von Fliehkräften zu begrenzen. Diagonalgürtelreifen werden mit dem Buchstaben "B" gekennzeichnet, z.B. 160/70 B 17.

    DOT-Nummer
    DOT steht für das amerikanische "Department of Transportation". Die DOT-Nummer auf der Reifenflanke besagt nicht nur, dass der Reifen den US-Bestimmungen entspricht. Die letzten Ziffern geben auch Auskunft über das Alter des Reifens: Demnach steht "419" zum Beispiel für die 41. Produktionswoche 1999. Seit dem 01.01.2000 werden die Bauwoche und das Baujahr eines Reifens vierstellig festgehalten. Das bedeutet, dass die letzten vier Ziffern der DOT-Nummer Bauwoche und Baujahr des Reifens vorgeben: 1600 bedeutet also die 16. Woche 2000.

    ECE R 75
    Seit dem 01.01.1997 europaweit gültige Norm für Zweiradreifen, die einige Änderungen hinsichtlich der Bezeichnungen von V-, VB- und ZR-Reifen beinhaltet.

    Einfahrzeit
    Neue Reifen benötigen eine "Einfahrzeit". Erst wenn die glatte Oberfläche der Neureifen im Fahrbetrieb aufgeraut wurde, besitzt der Reifen seine volle Haftfähigkeit. Die Einfahrzeit beträgt ca. 20-50 km Fahrstrecke, die mit gemäßigter Fahrweise zurückgelegt werden muss. Ein kontrolliertes Einfahren der gesamten Lauffläche ist deshalb unerlässlich.


    Fabrikatsbindung

    Immer häufiger legen Fahrzeughersteller neben der Reifengröße auch die Reifenfabrikate fest, die für bestimmte Motorradmodelle zulässig sind. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass Reifen und Fahrwerk in der Praxis miteinander harmonieren. Die entsprechenden Hinweise zu den zulässigen Reifenmodellen finden sich im Fahrzeugschein bzw. -brief.

    Felgengröße
    Welcher Reifen zu welcher Felge passt, steht in den technischen Unterlagen der Hersteller. Zu schmale, aber auch zu breite Felgen verändern die Reifenaufstandsfläche und können die Fahreigenschaften des Motorrades unter Umständen negativ beeinflussen.

    Geschwindigkeitssymbol
    Oder Speed-Index (SI) gibt an, bis zu welcher Höchstgeschwindigkeit der Reifen zugelassen ist.
    Die Kennzeichnung der Geschwindigkeitskategorie erfolgt durch ein Geschwindigkeitssymbol. Dies ist in der Regel ein Code-Buchstabe. Für Reifen über 210 km/h (V,VB,ZR,W, (W),) gelten die in den technischen Tabellen der Hersteller aufgeführten Höchstgeschwindigkeiten.
    Code-Buchstaben Km/h
    B 50
    C 60
    D 65
    E 70
    F 80
    G 90
    J 100
    K 110
    L 120
    M 130
    N 140
    P 150
    Q 160
    R 170
    S 180
    T 190
    U 200
    H 210
    V/VB bis 240
    (V) (VB) über 240
    W bis 270
    (W) über 270
    ZR über 240

    Karkasse
    Die Karkasse ist das Grundgerüst des Reifens und besteht heute vorzugsweise aus hochfesten Kunstfasergewebelagen ( Rayon oder Nylon), die an der Wulst jeweils umgeschlagen werden. Als tragendes Element des Reifenunterbaus ist die Karkasse für die Stabilität eines Reifens verantwortlich. Je nach Karkassaufbau werden Diagonal-, Diagonalgürtel oder Radialreifen unterschieden.

    Kennzeichnung
    Die auf den Flanken angebrachte Ziffern- und Buchstabenfolge lüftet die Identität eines Reifens. Neben dem Reifentyp und dem Herstellungsdatum ( DOT-Nummern) werden das Querschnitts-verhältnis, die zulässige Höchstgeschwindigkeit, die Reifenbauart, der Felgendurchmesser und die maximale Tragfähigkeit ausgewiesen. Hinzu kommen Angaben, ob es sich um einen Schlauchlos-Typ oder eine Bereifung mit handelt, sowie ein Pfeil, der die Laufrichtung anzeigt.

    Kernreiter
    Als Bestandteil der Wulst füllen Kernreiter aus Gummi den durch den Karkassumschlag entstandenen Hohlraum aus und verstärken so die Reifenflanke.

    Kickback
    Auch Lenkerschlagen genannt, tritt bei höheren Geschwindigkeiten auf. Ursache für Kickback sind Stöße, die durch Querrillen und Bodenwellen auf das Fahrwerk übertragen werden. Motorradreifen, die über ein gutes Absorptionsvermögen verfügen, reduzieren Lenkerschlagen.

    Lagerung
    Der ideale Aufbewahrungsort für Reifen ist dunkel, trocken, kühl und nicht stark belüftet. Auf keinen Fall sollten Reifen zusammen mit Chemikalien, Schmiermittel oder Treibstoff gelagert werden.

    Lauffläche
    Als Lauffläche wird der profilierte Umgangsstreifen bezeichnet, der auf die Karkasse aufvulkanisiert wird. Die Gummimischung der Lauffläche entscheidet zusammen mit der Abstimmung der Karkasse über Abriebfestigkeit und Haftfähigkeit eines Reifens.

    Laufrichtung
    Ein kleiner Pfeil auf der Reifenflanke zeigt die richtige Laufrichtung an.

    Luftdruck
    Den Reifenluftdruck sollte man regelmäßig mindestens jedoch einmal pro Woche, am kalten Reifen überprüfen. Den passenden Wert findet man in der Bedienungsanleitung des Motorrades. Diese Herstellerangaben sind aber Minimalwerte. Mit viel Gepäck oder im Soziusbetrieb braucht der Hinterreifen 0,2 bar mehr, vor schnellen Autobahnfahrten pumpt man ebenfalls 0,2 bar zusätzlich ins Vorderrad. Zu niedriger Luftdruck schränkt das Leistungsvermögen des Reifen drastisch ein, reduziert die Laufleistung und kann außerdem die Ursache für ernsthafte Reifenschäden sein. Bei sehr hoher Geschwindigkeit kann durch vermehrte Walkarbeit eine Überhitzung der Lauffläche eintreten. Dabei können sich Teile aus der Lauffläche lösen.
    ACHTUNG: Wird der vorgeschriebene Luftdruck für Einsätze abseits öffentlicher Strassen (z.B. Rennstrecke, Gelände) verändert, muss er anschließend, wenn das Motorrad wieder im Straßenverkehr bewegt wird, unbedingt auf den Sollwert korrigiert werden.

    M/C
    Die Signatur weist darauf hin, dass es sich um einen Motorradreifen handelt. M/C = Motorcycle.

    Mischbereifung
    Eine Verwendung von Reifen unterschiedlicher Bauart ist erlaubt, sofern dafür eine Freigabe vorliegt.

    NHS
    Abkürzung für "Not for Highway Service". Solchermaßen gekennzeichnete Reifen sind reine Wettbewerbsreifen und dürfen bei einem Produktionsdatum ab dem 1.1.1993 in Deutschland nur mehr auf öffentlichen Straßen gefahren werden, wenn sie zusätzlich Load- und Speed-Index passend zum Fahrzeug aufweisen.


    Niederquerschnitt

    Moderne Motorradreifen sind heute durchweg Niederquerschnitts-konstruktionen: Die Flankenhöhe fällt kleiner aus als die Breite der Lauffläche. Das bringt mehr Gummi auf die Strasse sowie grössere Stabilität. Ein Reifen der Dimension 120/70 ZR17 beispielweise ist 120 mm breit und 84 mm ( 70 Prozent von 120 mm ) hoch.

    Profiltiefe
    Laut StVZO (Strassenverkehrszulassungsordnung) beträgt die Mindestprofiltiefe von Motorradreifen 1,6 mm. In der Praxis erweist es sich als sinnvoll, schon vor Erreichen dieses Minimalwertes in einen Reifenwechsel zu investieren. Gemäß §36 Abs.2 StVZO müssen Luftreifen an Kraftfahrzeugen im ganzen Umfang und auf der ganzen Breite der Lauffläche mit Profilrillen oder Einschnitten versehen sein.


    Radialreifen

    Der Trend auf dem Reifenmarkt geht eindeutig in Richtung Radialreifen. Seine Konstruktion - eine Karkasse mit Fadenverlauf im rechten Winkel zur Laufrichtung (radial) und zusätzlichen Gürtellagen- steht für Formstabilität auch bei hohen Geschwindigkeiten. Weniger Gewebelagen als beim Diagonalreifen bedeuten zudem weniger Walkarbeit und Wärmeentwicklung. Radialreifen sind durch ein "R" gekennzeichnet: 180/55 ZR17.

    Seitenwand
    Die Seitenwand oder auch Flanke eines Motorradreifens ist der flexibelste Teil der gesamten Konstruktion. Sie muss jedoch zugleich die Brems- und Beschläunigungskräfte übertragen und deshalb auch eine ausreichende Steifigkeit besitzen. Gleichzeitig muss sie sensibel genug sein, um Komfortansprüchen zu genügen.

    Silica
    Silica ( Kieselsäuregel) sorgt als Bestandteil der Gummimischung für eine bessere Nass- und Kalthaftung des Motorradreifens. Darüber hinaus wirkt sich dieser Stoff positiv auf Laufleistung und Rollwiderstand aus.

    TL
    TL ist die Kurzform für Tubeless, die Bezeichnung für Schlauchlosreifen.

    Tragfähigkeitskennzahlen
    Die Tragfähigkeit LI(Load Index) ist eine Codezahl, die die Höchstgeschwindigkeit des Reifen bei derjenigen Geschwindigkeit angibt, die durch das Geschwindigkeits-Symbol bezeichnet wird. Bei V und W Tragfähigkeitsabschläge beachten. Die "PR" Zahl ist das Kennwort für die Reifenbeanspruchung, Gemäß deutscher und europäischer Norm gibt es bei Zweiradreifen keine PR-Kennzeichnung. Nur die japanische Norm gibt noch die PR-Kennzeichnung an. Sie ist mit der europäischen Norm wie folgt zu vergleichen:
    4 PR = Normalausführung
    6 PR = Reinforced - Ausführung.
    Die zugeordneten Abmessungen und Tragfähigkeiten sind bei beiden Normen gleich. Die PR - Zahl ist auf keinen Fall mit den Angabe der effektiven Lagenzahl "Ply,Plies" gleichzusetzen. Die beiden Kennzeichnungen haben eine völlig unterschiedliche Bedeutung.
    Die maximale Tragkraft eines Reifens ist ebenfalls auf der Reifenflanke vermerkt. Ein Motorradreifen der Dimension 170/60 ZR17 ( 72W ) hat einen Loadindex von 72 und damit eine Höchsttragfähigkeit von 355 kg.


    TT

    TT oder Tube Type besagt, dass es sich um einen Reifen handelt, der mit Schlauch gefahren wird.

    Ventileinsatz
    Es wir empfohlen nur kurze Ventileinsätze zu verwenden. Bei hoher Geschwindigkeit wirken auf den Ventileinsatz so hohe Fliehkräfte, dass Federvorspannung und Innendruck des Reifen nicht mehr ausreichen können, das Ventil 100% geschlossen zu halten. Aufgrund der geringen Masse kurzer Ventileinsätze - bleibet dieses Ventil bis in höhere Geschwindigkeiten geschlossen.

    Ventilkappe
    Die Zentrifugalkraft, die beispielsweise bei einem Kettenkarussell die Sitze nach außen Schleudert, wirkt beim Fahren auch auf den Ventileinsatz ein. Bei genügend hoher Geschwindigkeit passiert das gleiche, wie wenn man den Fingernagel gegen den Ventileinsatz drückt: Die Luft entweicht. Die Ventilkappe bleibt dann die einzige Möglichkeit, einen Luftdruckverlust wirksam zu verhindern. Diesen Phänomen kommt meist nur in sehr hohen Geschwindigkeiten vor. Aber ein schlecht gefertigter Ventileinsatz kann auch schon bei weniger als 200 km/h öffnen. Deshalb muss die Ventilkappe immer fest aufgeschraubt bleiben. Empfehlenswert ist die Verwendung luftdichter Ventilkappen aus Metall mit einer Gummidichtung.

    Verstärkte Ausführung
    Bei Kraftrad-, Kleinkraftrad- und Mopedreifen, die keine PR - Kennzeichnung tragen, erhält eine Reifenbauart mit höherer Tragfähigkeit zur Unterscheidung den Zusatz "Reinforced" bzw. reinf.
    Z.B. 3.00 - 16 48 P reinforced,
    170/80 B 15 M/C H TL reinf.


    Walkarbeit

    Durch das periodische Einfedern wird der Reifen verformt. Die Gewebelagen des Reifenunterbaus arbeiten (walken), wodurch Hitze freigesetzt wird.

    Wulst
    Die Verbindung zur Felge wird über den Wulst hergestellt. Im Gummi eingebettete Stahldrähte (Wulstkern) machen ihn standfest. Die Karkassenden sind um den Wulstkern gelegt (Wulstumschlag). So erhält der Reifen die gewünschte Steifigkeit im Wulstbereich. Die optimale Verbindung zwischen Felge und Reifen muss zu jeder Zeit gewährleistet sein, denn über den Wulst werden die Antriebs- und Bremskräfte auf Felge bzw. Fahrwerk übertragen. Außerdem übernimmt der Wulst bei Schlauchlosreifen die Abdichtfunktion gegen Luftdruckverlust.

    Über den Autor

    BT012SS
    Mädchen für alles :)

Kommentare

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